Der folgende Text entstand als Zusammenfassung anlässlich eines Themenabends "Südamerika" am 18.03.2014.

 

Bei diesem Vortrag ging es zum einen um den Bergbau in Bolivien und dessen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und um die Frage, wie durch internationale Solidarität ein Ausweg gefunden werden kann. In einem zweiten Teil wurden eindrucksvolle Aufnahmen von Landschaft und Leuten aus den Anden gezeigt, von jemandem, der diesen Gebirgszug mit dem Fahrrad durchquert hat.

 

 

Thema: Südamerika (CORIDUP)

 

CORIDUP ist eine Vereinigung von ca. 80 Basisorganisationen und Dorfgemeinschaften in der Region Oruro am Altiplano von Bolivien.


Seit je her ist das Leben der Bewohner (Kleinbauern) in dieser Gegend von Subsistenzwirtschaft (Ackerbau, Fischfang, Viehhaltung) geprägt.


Aber auch der Bergbau hat eine seit mittlerweile über 100 Jahren andauernde Tradition in Oruro. In mehr als 300 Betrieben wird nach Erzen wie Gold, Silber, Zinn, Zink, Blei, Kupfer, Wolfram geschürft, seit Mitte der 1990-er Jahre auch zum großen Teil im Tagbau. Eigentümer dieser Betriebsstätten sind sowohl der bolivianische Staat (Mine in Huanuni – größte Zinnmine Südamerikas) als auch ausländische Konzerne, v.a. aus USA, Schweiz und Japan.


Der Altiplano ist eine ökologisch sehr sensible Region auf eine Höhe von durchschnittlich 4000 Metern. In den Sommermonaten Nov. – Febr./März regnet es, während es das restliche Jahr über sehr trocken bleibt. Die lebensnotwendigen Wassersysteme für Menschen und Tiere sind der Rio Desaguadero mit seinen Zuflüssen sowie die beiden Seen Uru-Uru und Poopó – letzterer hat keinen Abfluss und verschwindet in den trockenen Monaten gänzlich. Das Leben am Altiplano mit seinen besonderen klimatischen Verhältnissen (rauh, sehr kalte Nächte, großteils trocken) war stets geprägt von mühevoller Bearbeitung (Bewässerung etc.) des Bodens – dennoch entstand hier eine Kultur, die sich seit tausenden von Jahren entwickeln und bestehen konnte. Mais, Kartoffel und ähnliche Knollen in bei uns nicht vorstellbarer Sortenvielfalt sowie das reichhaltige Quinua stammen von dort. Leider ist der Fortbestand der letzten Ureinwohner, der Urus (leben vorwiegend vom Fischfang), durch die Einschränkung ihres Lebensraumes (der Lago Uru-Uru und Poopo) stark gefährdet.

 

Wie ist es dazu gekommen?

Mitte der 1990-er Jahre wurde aufgrund des Zusammenbruchs des Zinnmarktes ein großer Teil der Minen im Gebiet von Oruro unrentabel. Um dem Niedergang des einst so erfolgreichen Wirtschaftsfaktors Bergbau entgegenzuwirken, ging man dazu über, v.a. Gold im Tagbau abzubauen. Hierfür wurden seither dem Wassersystem des Beckens Desaguadero – Uru-Uru – Poopo (von diesen Namen leitet sich die Bezeichnung der Umweltorganisation CORIDUP ab) wertvolles Wasser entzogen, das den Bauern in der Landwirtschaft fehlt. Die Folgen waren und sind

 

  • ein sinkender Grundwasserspiegel,
  • versalzte Böden,
  • Erosion,
  • gestiegene Trockenheit.
  • Zudem – und das ist die andere negative Auswirkung des Tagbaus – werden hochgiftige Chemikalien wie Zyankali, Arsen, Schwefelsäure etc. für die Gewinnung der Erze verwendet, deren Entsorgung/Lagerung in völliger Verantwortungslosigkeit einfach gar nicht oder äußerst schlampig passiert!
  • Dämme, die riesige Verdunstungsbecken mit giftigem Wasser abdichten sollen, sind undicht bzw. halten den Regenfällen im Sommer nicht stand.
  • Abraumhalden mit toxischem Material türmen sich am Rand der Siedlungen, sind Spielplatz für Kinder und streunende Hunde.

 

Es passiert also folgendes: gutes Wasser für alle wird zuerst entzogen, um es danach als giftige Brühe, ungefiltert, aus der Mine heraus wieder den Wassersystemen zuzuführen und diese auch noch zu verseuchen.
Die Folge sind verseuchte Brunnen, (tödliche) Krankheiten bei Tieren, die das Wasser trinken und das Gras fressen müssen und massive gesundheitliche Schäden bei den Menschen.
Nicht nur über das Wasser, auch über die Luft (Wind am Altiplano!) werden die toxischen Stoffe in der Gegend verteilt.
Viele Bewohner resignieren und wandern in die Städte ab.
Seit 2000 formiert sich Widerstand unter der Bevölkerung, der 2007 zur Gründung von CORIDUP, der wichtigsten Basisbewegung für einen Schutz des Lebensraumes Desaguadero – Uru-Uru – Poopo führte. Intersol und andere Solidaritätsgruppen aus dem In- und Ausland waren von Anfang an als Partner zur Seite. Intersol unterstützt CORIDUP finanziell und personell (Einsatz von Fachkräften und Zivilersatzdienern).
2009 konnte durch massiven Druck auf die Regierung erreicht werden, dass diese Region im Departamento Oruro zum Umweltnotstandsgebiet erklärt wurde. D.h., Bergbaubetriebe müssen seitdem Standards und Auflagen erfüllen bzw. nachweisen, dass ihre Aktivitäten „sauber“ sind. Leider gibt es in Bolivien von staatlicher Seite keine geschulten Experten, um die Einhaltung dieser Auflagen zu überprüfen und durchzusetzen. Gutachten zur Umweltverträglichkeit bevorzugen jene Seite, von der sie in Auftrag gegeben und bezahlt werden – die der Bergbaukonzerne.

 

  • Wichtigstes Ziel CORIDUPs ist es,
  • für den Schutz des Lebensraums der Bewohner einzutreten,
  • das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer intakten Umwelt für alle zu forcieren,
  • Missstände in den Betrieben sowie Missachtung der Umweltauflagen anzuzeigen,
  • die Kontrolle der Einhaltung von Umweltauflagen einzufordern,
  • ggf. Gegengutachten zu erstellen,
  • Taten seitens der Regierung einzufordern.


CORIDUP ist die Stimme einer Bewegung, die „von unten“ Druck macht, um Dinge zu verändern und einen Umdenkprozess in Gang zu bringen, wie er bei uns hierzulande selbstverständlich ist. Es bleibt weiters zu hoffen, dass endlich auch seitens der bolivianischen Regierung die Dringlichkeit einer starken und unabhängigen Justiz erkannt wird. Im Moment ist dies – in Bezug auf die Umweltproblematik im Land trotz aller großen Reden von „Pacha Mama“ – leider nicht der Fall.


Die beiden Vortragenden, Maria Luisa Rafael Ticala und Clemente Paco Huanca, sind Betroffene aus Oruro und authentische „Zeugen“, die mit sehr viel persönlichem Engagement ihre Fähigkeiten (Krankenschwester, Anwalt) in den Dienst von CORIDUP stellen.

 

Sie wünschen sich vor allem internationale Aufmerksamkeit und Solidarität.

 


Zusammenfassung CORIDUP
Zusammenfassung CORIDUP

Eine Welt Gruppe Thalgau